Mandolinen-Club Oelsberg

1. Oelsberger Musiknacht.

Die erste Oelsberger Musiknacht bot Instrumente und Singstimmen in berauschender Kombination und Harmonie

Von Norbert Schmiedel

Was für ein überwältigender Konzertabend, das hatte Oelsberg noch nicht erlebt, und mit Verlaub, auch wohl kaum ein anderes Publikum weit und breit. Der Abend war einfach nur überschrieben mit "Intermezzo 2015 ' 1. Oelsberger Musiknacht Mandolinen-Club Oelsberg 1924 e.V.". Was sich hinter dieser Zeile aber verbarg, konnte niemand ahnen. Kurz, es war ein Zusammenspiel von Instrumenten und Singstimmen, das in dieser Kombination noch nie geboten wurde. Mandolinen mit Chor, Mandolinen mit Gitarren, Mandolinen mit Gitarren und Geige, Mandoline mit Geige und Klavier, drei Gitarren für sich, Mandolinen mit Schlagzeug und Gitarren. Dem Publikum im voll besetzten Saal des Dorfgemeinschaftshauses blieb der Atem weg, eine fallende Stecknadel hätte ein donnerndes Beben auslösen können. Dabei sah alles so leicht aus, war aber so faszinierend anzuhören, dass die Musiker am Ende den stehenden Beifall mehr als höchst verdient hatten.

Was sich der Mandolinen-Club mit seiner Vorsitzenden Sibylle Witzky und dem musikalischen Leiter Markus Vogt da hat einfallen lassen, drang bis zur Aufführung nicht an die Öffentlichkeit.

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Umso größer waren die Überraschung und die Freude an dieser hochkarätigen Musik. Ellen Faber führte souverän durch das Programm, das sie schlicht nur eine abwechslungsreiche musikalische Reise nannte. Kurze Erläuterungen zu den Komponisten waren dabei sehr hilfreich, so wie zu Georg Clausnitzer mit seiner Ouvertüre in A-Moll, mit dem der Gastgeber das Konzert eröffnete. Das folgende Ragtime von Scott Joplin bezeichnete sie als Amerikas klassische Musik, ein Vorläufer des heutigen Jazz.

Mit ihren Stimmen erfreute der Männerchor Oelsberg sein Publikum mit dem hohenlohischen Volkslied Ei du Mädchen vom Lande um dann aus der Oper Bajazzo das Stück Warum bist Du gekommen zu präsentieren. Dass dabei als kleines Ensemble fünf Mandolinen zur Begleitung spielten, war neu, hatte es bisher noch nicht gegeben. Die Harmonie war beeindruckend, das war einfach schön. Markus Ziegler am Klavier, Markus Vogt mit seiner Mandoline, Solveighs Lied. Die beiden Instrumente vermochten die unerfüllte Liebe Peers zu Solveigh in all ihrer Dramatik wieder zu geben, herzerweichend traurig. Mit Ases Tod zeigten Klavier und Mandoline eine Trauerbegleitung, wie man sie sich nur wünschen kann. Zu Klavier und Mandoline kam die Geige von Conner Sorensen, es wurde irisch-fröhlich. You raise me up, fei übersetzt Du ermutigst mich, und es hätte das Publikum zum Tanzen ermutigen können.

Auch diese Instrumentalkombination wünscht man sich künftig öfter zu hören. Conner Sorensen bildet Nachwuchs an verschiedenen Instrumenten aus. Zusammen mit Andrea Rath (Geige), Felix Hauswirth und Leon Kempenich, (beide Gitarre) stellte er mit seiner Geige zuerst den St. Paul Waltz vor, um dann mit Rock around the Clock zu rocken. Der anschließende Boogie Woogie war nicht weniger heiter. Das Spiel hat gefallen, wie dem Beifall deutlich zu entnehmen war. Fröhlich ging es weiter, aber in wechselnder Besetzung, Conner Sörensen spielte ein besonderes Instrument, die Banjo-Mandoline, ein Banjo mit Mandolinensaitenbestückung. Das klang wie eine Mandoline mit Banjocharakter, ungewöhnlich schön. Dazu die Mandoline von Markus Vogt und die Gitarre von Andrea Rath. Das vertrug sich unglaublich gut, so dass The Entertainer zum Hörgenuss wurde.

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Die Oelsberger sind eine relativ neue Männergesangsgruppe, ehemals als Asbachlerchen bekannt gewesen. Dem Karneval haben die Adieu gesagt, jetzt treten sie mit neuem Repertoire vor ihr Publikum, Gospel, All night, all day. Sehr schön und hingebungsvoll. Dass der folgende Song Über 7 Brücken musst Du gehn nicht von Peter Maffay geschrieben wurde, sondern von Karat aus der ehemaligen DDR, wird immer wieder vergessen, Ellen Faber wies aber eigens darauf hin, bevor Die Oelsberger das Lied in großer Harmonie vortrugen. Es sind immerhin nur 9 Stimmen, da musste jeder sein Bestes geben.

Noch einmal der Mandolinen-Club alleine mit Recuerdos de la Alhambra, extra für unseren langjährigen Dirigenten Karl Schaub, dem wir von hier aus beste Genesung wünschen sagte Ellen Faber. Sinn der Oelsberger Musiknacht war es doch, junge Leute zur Musik zur bringen. Der Mandolinen-Club nahm sich mit der folgenden Premiere beim Wort. Bed of Roses von Bon Jovi wurde begleitet von Darleen Klein am Schlagzeug, Jan Schmitt und Jonas Mifka mit ihren Gitarren und Markus Ziegler am Klavier. Das klang hervorragend, harmonisch und vor allem neu. Und Neues sollte ja auch geboten werden, um verstaubte Ansichten zu Kombinationsmöglichkeiten von Instrumenten abzulegen. Das hat Zukunft.

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Diesem Gedanken kamen dann drei besondere Gäste mit großer Virtuosität nach. Marijke und Michiel Wiesenekker, zwei Geschwister, geboren in Holland, Profimusiker in Wuppertal, und Maxim Lysov aus Moskau. Markus Vogt hatte sie bei Fortbildungsseminaren im Schloss Engers und in Oberwesel kennen gelernt und nach Oelsberg gebracht. Jetzt erfuhren die Oelsberger bei Melodien der Beatles wie Michele, bei russischer Zigeunermusik und südamerikanischen Liebesliedern was Gitarren- und Mandolinenmusik ist. Maxim Lysov spielte auf einer 7-saitigen Gitarre eines Balalaykabauers aus Moskau. Marijke spielte ihre Mandoline mit Blättchen wie mit blanken Fingern, traumhaft. Ob Gitarre mit Mandoline, ob zwei Gitarren oder drei, oder Maxim Lysov als Solist, ihr Spiel war hinreißend, einfach meisterhaft.

Das Publikum war aus dem Häuschen, geriet fast in Extase. Stehender Beifall war keine Pflicht, es war die pure Freude, die Begeisterung. Mit Ein kleiner grüner Kaktus verabschiedeten sich die drei von ihrem Publikum, Ellen Faber bat noch, bei einem Gläschenzu bleiben, um die Eindrücke dieser großen 1. Oelsberger Musiknacht wirken zu lassen.